Kartierung im Zementsteinbruch Rohrdorf (2006-2007) 
Zusammenfassung der Ergebnisse

Die helvetischen Sedimente im Zementsteinbruch Rohrdorf sind im erheblichen Maße von der Alpenorogenese tektonisch beansprucht. Es finden sich gleichermaßen Anzeichen von Kompressionstektonik (Auffaltung mit nach Süden abtauchenden Falten, in W-E-Richtung aufgefaltet) als auch Extensionstektonik (mehrere Abschiebungsflächen im Südteil, welche steil nach Süden einfallen). Das allgemeine Schichtfallen ist gen Süden.

Im südlichen Teil des Rohrdorfer Steinbruches fallen einzelne Stapel von steil gestellten Stockletten mit eingelagerten Corallinaceenschuttkalk-Bänken in Richtung S mit Werten von 45 bis 70° ein. In W-E-Richtung streichende Abschiebungsflächen führen zu einer Verdoppelung der einzelnen Corallinaceenschuttkalk-Bänke. Dies ist jedoch nicht eindeutig zu belegen, da sich die entsprechenden Bewegungsflächen in den überwiegend tonigen Stockletten befinden und somit kaum nachgewiesen werden können.

Im südwestlichen Teil findet sich eine nach Süden abtauchende flache Synklinale, deren Faltenachse in Richtung NW-SE verläuft.

Am Osthang des Nummulitenköpfls ist eine große Abschiebung aufgeschlossen (siehe Abbildung #1), deren Versatz mindestens 50m beträgt, und durch die Gesteine der Adelholzen Formation in die Stockletten eingeschuppt wurden. Die Störungsfläche fällt mit 344/72 ein. Vermutlich bildet ein Störungsband nördlich des Bonhardköpfls die Verlängerung dieses Systems.

Die Korrelierbarkeit der einzelnen Corallinaceenschuttkalk-Bänke ist nur bedingt gegeben. Durch intensive Tektonik insbesondere innerhalb der Stockletten sind zahlreiche Störungssysteme nicht eindeutig auszuwerten. Daher ist auch eine Rückrotation der Schichten (die ursprünglich aus nördlicher Richtung in den helvetischen Trog geschüttet wurden) nicht möglich. Allerdings sind einige der Bänke lithologisch und sedimentologisch sehr charakteristisch, so dass über diese Merkmale und die unterschiedlichen Bank-Mächtigkeiten einige Aussagen getroffen werden können:
Die Schuttkalke entlang der Südwand bilden vermutlich eine Einheit. Es handelt sich hier um eine sehr mächtige Schüttung, die aufgrund mehrerer Abschiebungen nach Norden teilweise verdoppelt wurde und durch laterale Versätze entlang von Störungssystemen, welche auf der aufschlusslosen Grubensohle vermutet werden, N-S-Versätze von mehreren Zehnermetern zeigen.
Im Nordwesten der Grube findet sich eine Abfolge zweigeteilter, geringmächtiger (maximale Mächtigkeit ca. 1,5m) Corallinaceenschuttkalk-Bänke, welche vermutlich denen im Osten entprechen. Dort waren auch im Herbst 2006 einige dextrale Verschiebungen aufgeschlossen.

Im Überblick zeigt sich eine tektonische Entwicklung, die mit einer Stapelung der Sedimente beginnt, welches an der Südwand des Steinbruches gut dokumentiert ist. Hinzu kommt eine SW-NE-gerichtete Kompressionstektonik in der Falte im SW-Teil des Gebietes. In jüngerer Zeit bildeten sich die Abschiebungsflächen im mittleren Südteil des Steinbruches nach Norden (Extension).

Das Untersuchungsgebiet entspricht somit im tektonischen Bau weitgehend der Grünten Decke, die das östlich der Iller ausstreichende Allgäuer Helvetikum umfasst. Sie ist in vergleichbarer tektonischer Ausprägung von einer kleinräumigen Stapelung der Schichten geprägt.


Abbildungen
#1:
Abschiebung am Osthang des Nummulitenköpfls (Oktober 2007): Der Versatz beträgt mindestens 50m, die Störungsfläche fällt mit 344/72 ein. Gesteine der Adelholzen Formation und Corallinaceenschutt-Kalke (grobkörnige Fazies) sind hier in Stockletten eingeschuppt.
#2:
Tektonisch zerrüttete Corallinaceenschuttkalk-Bank, aufgeschlossen am Nummulitenköpfl (Osthang).
#3:
Slump-Fazies der Corallinaceenschutt-Kalke am Bonhartköpfl.






A.M. Heyng & P. Havlik 2007


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