Adelholzen Formation - INFO 
Vorliegende Informationen zur Adelholzen Formation ("Adelholzener Schichten") basieren auf der Diplom-Arbeit und Kartierung des Autors (HEYNG 2003) und wurden durch neue Ergebnisse aus Arbeiten der letzten Jahre aktualisiert.

Die Diplom-Arbeit wurde 2012 in der Original-Version in der Zeitschrift Documenta naturae publiziert:

A. M. HEYNG (2012): Neugliederung der Adelholzener Schichten (Eozän, Nordhelvetikum) im Raum Siegsdorf-Bad Adelholzen unter besonderer Berücksichtigung der Großforaminiferen und Molluskenfauna (Teile 1 und 2). - Documenta naturae, 186: 1-105, 12 Abb.+Tab., 5 Taf., App.; München.

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Das Helvetikum: Einleitung 
Die Bezeichnung „Helvetikum“ wurde ausgehend von der Schweiz (lat. helvetia), wo die Äquivalente des oberbayerischen Helvetikums weit mächtiger aufgeschlossen sind, erst spät in die Literatur eingeführt. Nach HAGN et al. (1992: 24) war es NOWAK (1911: 59), der die Bezeichnung Helvetikum erstmals im Siegsdorfer Raum benutzte.

Als "Helvetikum" werden marine Sedimente der Oberen Kreide und des Alttertiärs bezeichnet, die heute im Arbeitsgebiet als schmale Bänder am Alpen-Nordrand obertage anstehen. Im Süden grenzen sie tektonisch an Sedimente des Ultrahelvetikums bzw. des Flysch, nördlich grenzen sie an steilgestellte Sedimente der Faltenmolasse.

Anhand der Bathymetrie, rekonstruiert durch Lithologie und Fauna, wird der Sedimentationsraum des alttertiären Helvetikums untergliedert in eine nordhelvetische Fazies-Zone (Nordhelvetikum) und eine südhelvetische Fazies-Zone (Südhelvetikum). Mehr oder weniger geographisch getrennt sind beide Ablagerungsräume nach HAGN (z.B. 1960; 1992) durch eine Schwelle („Intrahelvetische Schwelle“), die regional unterschiedlich als Inselgirlande bzw. als submarine Barre ausgebildet ist. Ihre Bedeutung bzw. selbst ihre Existenz wird von einigen Autoren jedoch angezweifelt (z.B. VOGELTANZ 1970). Das Südhelvetikum wird von Nord nach Süd weiter untergliedert in Eisenärzter-, Kressenberger- und Sandnock-Fazies. Das alttertiäre Nordhelvetikum wird hingegen nur durch die Adelholzener Fazies-Zone vertreten.

Im Norden des helvetischen Troges befand sich Festland (in der Abbildung bezeichnet als "Mesoeuropäischer Kontinent"), dessen Schelfsediment das Helvetikum darstellt und demnach vorwiegend marine Flachwasser-Ablagerungen umfasst. Insbesondere ist dies im tertiären Nordhelvetikum als landnächste Fazies-Zone der Fall.

Südlich des Helvetikums, geographisch getrennt durch die „Prävindelizische Inselschwelle“, schloss sich das Ultrahelvetikum an. Dessen Sedimentations-Raum erstreckte sich vom südhelvetischen Schelf bis hin zum Tiefseetrog des nordalpinen Flysch. Die Flysch-Zone war vom Ultrahelvetikum getrennt durch den „Cetischen Inselrücken“ bzw. die „Cetische Schwelle“, da sie wohl regional nur eine submarine Barre darstellte. Das Ultrahelvetikum und insbesondere der Flysch besitzen als Ablagerungen des Kontinentalhanges bzw. des Beckens Tiefwasser- bzw. Tiefseecharakter.


  • Literatur

HAGN, H. (1960): Die stratigraphischen, paläogeographischen und tektonischen Beziehungen zwischen Molasse und Helvetikum im östlichen Oberbayern. - Geol. Bav., 44: 1-208, 10 Abb., 12 Taf., 1 Tab.; München.

HAGN, H. (unter Mitwirkung von D. HERM, O. HÖLZL, H. LÜHR, F. TRAUB und H. VÖLK. Zeichnungen: D. HERM) (1961): Klassische und neue Aufschlüsse mit Faunen der Oberkreide und des Tertiärs in den östlichen Bayerischen Alpen undangrenzenden Gebieten, - Paläont. Z., 35: 146-170, 14 Abb.; Stuttgart.

HAGN, H. (1967): Das Alttertiär der Bayerischen Alpen und ihres Vorlandes. -Mitt. Bayer. Staatsslg. Paläont. hist. Geol., 7: 245-320, 3 Abb., 1 Tab.;
München.

HAGN, H. et al. (1981): Die Bayerischen Alpen und ihr Vorland inmikropaläontologischer Sicht. Exkursionsführer 17. Europäischen Mikropaläontologischen
Kolloquium in Oberbayern, September 1981 (mit Beiträgen zahlreicher Autoren). –Geol. Bav., 82: 408 S., 70 Abb., 13 Taf., 7 Tab; München.

HAGN, H. & DARGA, R. (1989): Zur Stratigraphie und Paläogeographie desHelvetikums im Raum von Neubeuern am Inn. - Mitt. Bayer. Staatsslg. Paläont.
hist. Geol., 29: 257-275; München.

HAGN, H. & DARGA, R. & SCHMID, R. (1992): Siegsdorf im Chiemgau –Erdgeschichte und Urwelt. – 241 Seiten, 20 Abb., 4 Tab., 80 Taf.; Siegsdorf
(Eigenverlag).

HAGN, H. & HÖLZL, O. (1952): Geologisch-paläontologische Untersuchungen in der subalpinen Molasse des östlichen Oberbayerns zwischen Prien und Sur mit Berücksichtigung des im Süden anschließenden Helvetikums. - Geol. Bav., 10:1-208, 7 Abb., 8 Taf.; München.

HEYNG, A.M. (2003): Neugliederung der Adelholzener Schichten (Eozän; Nordhelvetikum) im Raum Siegsdorf-Bad Adelholzen unter besonderer Berücksichtigung der Großforaminiferen und Molluskenfauna (Teil 1) einschließlich Erläuterungen zur Geologischen Karte (Teil 2) (Spezialkartierung der Adelholzener Schichten im Raum Bergen-Siegsdorf, ergänzend mit Aufschlüssen auf dem Betriebsgelände des Zementwerkes Rohrdorf). – Diplomarbeit, Department für Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München.

NOWAK, J. (1911): Über den Bau der Kalkalpen in Salzburg und im Salzkammergut. - Anz. Akad. Wiss. Krakau, mathem.-naturwiss. Kl., A: 57-112, 11 Abb., 3 Taf., 1 Tab.; Krakau.

VOGELTANZ, R. (1970): Sedimentologie und Paläogeographie eines eozänen Sublitorals im Helvetikum von Salzburg (Österreich). - Verh. Geol. B.-A., H. 3: 373-451, 14 Abb., 5 Taf., 3 Tab., 2 Falttab.; Wien.

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(A. M. Heyng / 08.03.2009 / Artikel #119)
Sedimentationsraum des Nordhelvetikums 
Zusammenfassend betrachtet lässt sich die bathymetrische Entwicklung des helvetischen Schelfmeeres in zwei Sequenzen fassen:
Einer Shallowing-upwards-Sequenz infolge einer Hebung des europäischen Kontinentalsockels ab der Oberkreide, die im Ablagerungszeitraum der Zwischenschichten des Südhelvetikums, also nach HAGN etwa im Oberen Cuisian, ihren Höhepunkt findet. Diese Hebung zieht eine Regression des Meeres nach Süden nach sich, in deren Folge der nordhelvetische Sedimentationsraum etwa ab dem Oberen Maastrichtian trocken fällt.
Bedingt durch Veränderungen der großräumlichen tektonischen Verhältnisse kehrt sich die Bewegung um, es schließt sich eine Deepening-upwards-Sequenz mit einer Senkung des Kontinentalsockels an, die sich im Südhelvetikum bereits mit Beginn der Sedimentation des Schwarzerzes bemerkbar macht. In deren Folge kommt es im Unteren Lutetian zu einer Transgression des Meeres nach Norden und einer Rückeroberung des nordhelvetischen Ablagerungsbereiches durch das Helvetische Meer. Während der folgenden Sedimentation der Adelholzen Formation setzt sich diese Entwicklung im Lutetian fort.
Spätestens mit den „faziesbrechenden“ Stockletten (siehe z.B. HAGN et al. 1992: 36) fällt eine räumliche Trennung des Nord- und Südhelvetikums (Intrahelvetische Schwelle) im Unteren Bartonian fort.
Mit dem Schönecker Fischschiefer (Oligozän, Latdorfian), dem "jüngsten" bisher festgestellten Gesteins des Helvetikums, findet die Sedimentation des Helvetikums ihren Abschluss, möglicherweise bedingt "durch die alpidischen Überschiebungen" (BUCHHOLZ 1989: 54).


Die stratigraphisch ältesten Schichten des Nordhelvetikums im Untersuchungsgebiet stellen die Pinswanger Schichten dar. Ihr Vorkommen ist jedoch auf die Region Rohrdorf-Neubeuern beschränkt, weiter östlich um Bad Adelholzen sind sie nicht bekannt. Im Eozän westlich von Bad Tölz (STACKELBERG 1960: 11) und im Etzengraben am Schliersee vermitteln sie zwischen dem Stallauer Grünsandstein und den Pattenauer Schichten. Der Stallauer Grünsandstein ist im Untersuchungsgebiet jedoch nicht aufgeschlossen bzw. entwickelt. Die Pinswanger Schichten wurden von HAGN & HÖLZL (1952) mikropaläontologisch von den Pattenauer Schichten abgetrennt und nach ihrem Vorkommen nächst dem Ort Pinswang benannt. Es handelt sich um blau-graue Kalkmergel mit relativ reicher Foraminiferen-Fauna sowie spärlicher Makrofauna. Den Gehalt an Dinoflagellaten-Zysten untersuchte KIRSCH (1991). Die Pinswanger Schichten werden aufgrund planktischer Foraminiferen in das untere Obercampanian gestellt (z.B. HAGN 1954: 12). In der planktonischen Foraminiferen-Zonierung belegen sie die ventricosa-Zone. In der Dinoflagellatenzysten-Zonierung nach KIRSCH (1991) stehen sie etwa im mittleren Bereich von Zone 4 (Areoligera coronata-Zone). Nach Lithologie und Fauna werden die Pinswanger Schichten als Sedimente "küstenfernerer Gebiete des äußeren Schelfs" (KIRSCH 1991:191) interpretiert.

Nach HAGN spricht der Schlämmrückstand der stratigraphisch folgenden Pattenauer Schichten für eine Ablagerung „in einem nicht zu seichten, ruhigen Ablagerungsraum“ (HAGN & HÖLZL 1952: 16). Er besteht fast ganz aus organogenen Bestandteilen, vorherrschend aus einer diversen Foraminiferen-Fauna und Ostracoden, daneben Inoceramen-Prismen; Quarz, Glimmer und Glaukonit fehlen fast völlig. Für Horizonte mit einem Überwiegen planktonischer Foraminiferen nimmt er an, dass sie „in einem sehr ruhigen und allenfalls auch tiefen Wasser abgelagert“ (HAGN & HÖLZL1952: 17) wurden. Untermauert und bestätigt wird diese Annahme unter Anderem von HAGN & HERM (1983: 625) sowie KIRSCH (1991:190). Im Übergangsbereich der Pattenauer Schichten zu den hangenden Gerhartsreiter Schichten deutet die Dinoflagellaten-Zysten-Vergesellschaftung nach KIRSCH (1991: 190) auf eine "Phase beginnender Regression" bzw. einen "küstennäheren Bereich".

Diese Tendenz einer beginnenden Verflachung und Küstennähe setzt sich weiter in den Gerhartsreiter Schichten fort. Diese dunkelgrauen, tonigen Mergel stellt HAGN & HÖLZL (1952: 17) vor Allem aufgrund der Foraminiferen-Fauna in einen bedeutend „küstennäheren Sedimentationsraum“ als die Pattenauer Schichten; auch ist eine Zunahme der Sedimentzufuhr festzustellen. Dies bestätigen auch die Untersuchungen von KIRSCH (1991) an den enthaltenen Dinoflagellaten-Zysten.

Ab dem Oberen Maastrichtian (KIRSCH 1991: 191) zieht sich das Meer aus dem nordhelvetischen Ablagerungsbereich nach Süden zurück. Es setzt im Nordhelvetikum eine Schichtlücke ein, die bis ins Untere Lutetian reicht (z.B. HAGN et al. 1992), während sich im Südhelvetikum die Sedimentation fortsetzt: Es kommen hier die Hachauer Schichten des Oberen Maastrichtian (HAGN 1960: 79 - 83) zur Ablagerung, die nach KIRSCH (1991: 191) einem küstennahen, litoralen Ablagerungsbereich entsprechen.
Betrachtet man die weitere Schichtabfolge im Südhelvetikum, kommt es dort weiterhin zu einer fortschreitenden Verflachung des Sedimentationsraumes, die mit den Zwischenschichten (Ob. Cuisian) ihren Höhepunkt findet.

Während der Schichtlücke im Nordhelvetikum bestand demnach im Südhelvetikum „eine vom Oberpaläozän bis ins Untereozän persistierende Küstenlinie" (BUCHHOLZ 1989: 51), bis durch eine Transgression im Unteren Lutetian das helvetischen Meere wieder auf den nordhelvetischen Sedimentationsbereich übergriff. Nun folgt hier die Sedimen­tation der Adelholzen Formation, deren basale Anteile (bisher als "Untere Adelholzener Schichten" bezeichnet) als Transgressionshorizont eher sandig, die mittleren Bereiche (bisher "Mittlere Adelholzener Schichten") vorwiegend kalkig und die hangenden Anteile (bisher "Obere Adelholzener Schichten") mergelig ausgebildet sind, was auf eine stete Vertiefung des Sedimentationsraumes während der Ablagerung der Adelholzen Formation hindeutet.

Diese Vertiefung des Sedimentationsraumes - in dessen Folge im Übergang Biarritzian-Priabonian auch die „Intrahelvetische Schwelle“ ihre Bedeutung verliert - setzt sich mit der Ablagerung der auf die Sedimente der Adelholzen Fm. folgenden Stockletten fort. Die Sedimentation dieser pelagischen, durch Globigerinen und Radiolarien geprägten Mergel setzt im Südhelvetikum bedingt durch eine Trog- und Fazieswanderung in Richtung Norden bereits im Unteren Bartonian ein, während der Ablagerung der "Oberen Adelholzener Schichten" im Nordhelvetikum. Erst etwa ab dem Mittleren Bartonian greift die Fazies der Stockletten - durch die weitere Absenkung des Kontinentalschelfes im ausgehenden Eozän (HAGN et al. 1992: 37) infolge der großräumlichen Einflüsse der Alpengenese - auch auf das Nordhelvetikum über. Die Stockletten werden, da sie Im Nord- wie auch im Südhelvetikum - durch ein Wegfallen der räumlichen Trennung der „Intrahelvetischen Schwelle“ - gleichartig entwickelt sind, als faziesbrechend bezeichnet.

Den Stockletten bankweise eingelagert sind Corallinaceenschutt-Kalke (= Lithothamnienschutt-Kalke), vorwiegend bestehend aus Rotalgen-Detritus und örtlich auch Korallenresten, die von ihrem höher gelegenen Lebensraum am Nordrand des Sedimentations-Troges durch subaquatische Rutschungen und turbidity-currents in den Tiefsee-ähnlichen Sedimentationsraum der Stockletten eingetragen wurden.

Im höchsten Obereozän fand die pelagische Sedimentation im helvetischen Trog - wahrscheinlich verursacht durch die alpidische Überschiebung - ihren Abschluss mit dem Schönecker Fischschiefer des tieferen Unteroligozäns (Nannoplanktonzone NP 21). Diese Sedimente, die nach BUCHHOLZ (1989: 54) dem Übergangsbereich des Nord- zum Südhelvetikum entstammen, weisen mit ausgeprägter Lamination und ausschließlich pelagischen Faunen- und Florenelementen auf eine Sedimentation in großer Tiefe unter vorwiegend dysaeroben bis anaeroben Verhältnissen.


  • Literatur

BUCHHOLZ, P. (1989): Der Lithothamnienkalk Südostbayerns. Sedimentologie und Diagenese eines Erdgasträgers. - Geol. Bav., 93: 97 S., 32 Abb., 3 Tab., 5 Taf., 1 Beilage; München.

GANNS, O. (1956): Geologie des Blattes Bergen. Mit einem Beitrag von I. De KLASZ (Helvetische Zone), K. GÖTZINGER (Bohrung Bergen 1) und F. Vogel
(Bodenkundlicher Beitrag). - Geol. Bav., 26: 1-164, 1 Karte und 1 Profiltaf. 1 : 25 000, 7 Abb., 5 Beil.; München.

GANNS, O. (1977): Erläuterungen zum Blatt Nr. 8140 Prien a. Chiemsee und zum Blatt Nr. 8141 Traunstein, Geologische Karte von Bayern 1 : 25 000. Mit Beiträgen zahlreicher Autoren. - 1-344, 58 Abb., 8 Tab., 4 Beil.; München (Bayer. Geol. Landesamt).

HAGN, H. (1954): Some Eocene Foraminifera from the Bavarian Alps and Adjacent Areas. - Contr. Cushm. Found. Foram. Res., 5: 14-20, Taf. 3-4; Washington.

HAGN, H. (1954): Geologisch-paläontologische Untersuchungen im Helvetikum und Flysch des Gebietes von Neubeuern am Inn (Oberbayern). - Geol. Bav., 22: 1-136, 26 Abb., 1 geol. Karte; München.

HAGN, H. (1960): Die stratigraphischen, paläogeographischen und tektonischen Beziehungen zwischen Molasse und Helvetikum im östlichen Oberbayern. - Geol. Bav., 44: 1-208, 10 Abb., 12 Taf., 1 Tab.; München.

HAGN, H. (unter Mitwirkung von D. HERM, O. HÖLZL, H. LÜHR, F. TRAUB und H. VÖLK. Zeichnungen: D. HERM) (1961): Klassische und neue Aufschlüsse mit Faunen der Oberkreide und des Tertiärs in den östlichen Bayerischen Alpen und angrenzenden Gebieten, - Paläont. Z., 35: 146-170, 14 Abb.; Stuttgart.

HAGN, H. (1967): Das Alttertiär der Bayerischen Alpen und ihres Vorlandes. - Mitt. Bayer. Staatsslg. Paläont. hist. Geol., 7: 245-320, 3 Abb., 1 Tab.; München.

HAGN, H. et al. (1981): Die Bayerischen Alpen und ihr Vorland in mikropaläontologischer Sicht. Exkursionsführer 17. Europäischen Mikropaläontologischen Kolloquium in Oberbayern, September 1981 (mit Beiträgen zahlreicher Autoren). – Geol. Bav., 82: 408 S., 70 Abb., 13 Taf., 7 Tab; München.

HAGN, H. & DARGA, R. (1989): Zur Stratigraphie und Paläogeographie des Helvetikums im Raum von Neubeuern am Inn. - Mitt. Bayer. Staatsslg. Paläont. hist. Geol., 29: 257-275; München.

HAGN, H. & DARGA, R. & SCHMID, R. (1992): Siegsdorf im Chiemgau – Erdgeschichte und Urwelt. – 241 Seiten, 20 Abb., 4 Tab., 80 Taf.; Siegsdorf (Eigenverlag).

HAGN, H. & HERM, D. (1983): Die Foraminiferen der Inoceramen-Mergel (Buntmergelserie, Ultrahelvetikum, Unter-Maastricht) des Moos-Grabens SE Siegsdorf (Oberbayern). - Zitteliana, 10: 613-635, 2 Abb., 4 Taf.; München.

HAGN, H. & HÖLZL, O. (1952): Geologisch-paläontologische Untersuchungen in der subalpinen Molasse des östlichen Oberbayerns zwischen Prien und Sur mit Berücksichtigung des im Süden anschließenden Helvetikums. - Geol. Bav., 10: 1-208, 7 Abb., 8 Taf.; München.

HAGN, H. & SCHMID, R. (1988): Fossilien von Neubeuern. Bilder aus der geologischen Vergangenheit. Mit Photos von Franz HÖCK. - 109 S., 10 Abb., 30 Taf., 2 Tab.; Neubeuern.

HEYNG, A.M. (2003): Neugliederung der Adelholzener Schichten (Eozän; Nordhelvetikum) im Raum Siegsdorf-Bad Adelholzen unter besonderer Berücksichtigung der Großforaminiferen und Molluskenfauna (Teil 1) einschließlich Erläuterungen zur Geologischen Karte (Teil 2) (Spezialkartierung der Adelholzener Schichten im Raum Bergen-Siegsdorf, ergänzend mit Aufschlüssen auf dem Betriebsgelände des Zementwerkes Rohrdorf). – Diplomarbeit,
Department für Geo- und Umweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München.

KIRSCH, K.-H. (1991): Dinoflagellatenzysten aus der Oberkreide des Helvetikums und Nordultrahelvetikums von Oberbayern. - Münchner Geowiss. Abh. (A), 22: 1-306, 105 Abb., 43 Taf., 1 Anhang; München.

KLEIBER, G.W. (1984): Fazielle und Biostratigraphische Untersuchungen in der obersten Kreide und im Alttertiär südlich des Grünten. - unveröff. Diplomarbeit an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

REIS, O. M. (1896): Erläuterungen zu der geologischen Karte der Voralpenzone zwischen Bergen und Teisendorf. I. Stratigraphischer Theil. - Geogn. Jh., 8, 1895: 1-155, 7 Abb.; Cassel (Geol. Karte in Band 7, 1895 erschienen).

REIS, O. M. (1922): Nachträge zur Geologischen Karte der Voralpenzone zwischen Bergen und Teisendorf. (Geogn. Jh. 1894 und 1895) II. Teil. - Geogn. Jh., 34, 1921: 223-244, 3 Abb., 1 Taf.; München.

SCHMIDT-THOMÉ, P. (1939): Geologische Aufnahme der Alpenrandzone zwischen Bergen und Teisendorf in Oberbayern. - Z. deutsch. geol. Ges., 91: 273-289, 3 Abb., 1 Karte auf Taf. 8; Berlin.

STACKELBERG, U. v. (1960): Oberkreide und Alttertiär des Helvetikums am bayerischen Alpenrand im Westen von Tölz. - Geol. Bav., 41: 3-54, 20 Abb., 1 Beilage; München.

TRAUB, F. (1953): Die Schuppenzone im Helvetikum von St. Pankraz am Haunsberg, nördlich von Salzburg. - Geol. Bav., 15: 1-38, 4 Abb.; München.

VOGELTANZ, R. (1970): Sedimentologie und Paläogeographie eines eozänen Sublitorals im Helvetikum von Salzburg (Österreich). - Verh. Geol. B.-A., H. 3: 373-451, 14 Abb., 5 Taf., 3 Tab., 2 Falttab.; Wien.


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(A. M. Heyng / 06.03.2009 / Artikel #117)
Alter und Korrelation des Nordhelvetikums mit dem Südhelvetikum 
Schon O.M. REIS (1896) und SCHLOSSER (1925) sahen - vor Allem aufgrund der Fauna und der litholo­gischen Entwicklung - die gesamte Adelholzen Formation (Nordhelvetikum) als Äquivalente des Schwarzerzes einschließlich des Nebengesteins der Kressenberger Fazies-Zone (Südhelvetikum) an (siehe Abbildung #1). Demnach erfolgte die Transgression in den nordhelvetischen Ablagerungsbereich und der Beginn der Sedimentation der Adelholzen Formation während der Ablagerung des Schwarzerzes etwa im unteren Lutetian.


Auch HAGN et al. (1992) sind aufgrund ihrer langjährigen Untersuchungen der Großforaminiferen-Fauna dieser Auffassung: Sie korrelieren die "Unteren Adelholzener Schichten" mit den hangenden Partien des Schwarzerzes, und die gesamten "Mittleren Adelholzener Schichten" mit dem Flöz-Nebengestein (siehe Abbildung #2). Die Grenzen der jeweiligen Schichten setzen sie im Nord- und Südhelvetikum übereinstimmend in das Mittlere Lutetian. Sie betrachten die Korrelation von Nord- und Südhelvetikum jedoch als problematisch (aufgrund der Revisionsbedürftigkeit der Nummuliten, die sie zur Korellation heranzogen) und sehen vor Allem in mangelnden Aufschlüssen der „Unteren Adelholzener Schichten“ und damit einhergehend geringen Kenntnissen Probleme, den Zeitpunkt der Transgression ins Nordhelvetikum genau festzulegen (siehe auch HAGN 1960).

Die "Oberen Adelholzener Schichten" mit der von DE KLASZ (in GANNS 1956) erstmals beschriebenen „Schwarzschiefer-Fazies“ (= Spirka Member) wurden durch HAGN wiederholt untersucht und schließlich in HAGN et al. (1981: 131) als Hangendes der "Oberen Adelholzener Schichten" ins Untere „Biarritzian“ (Bartonian), Nannoplankton-Zone NP 16 (= höheres Mitteleozän), gestellt. Zu dieser Zeit war im Südhelvetikum die grobklastische Sedimentation bereits abgeschlossen und die Ablagerung der Stockletten hatte begonnen.
BUCHHOLZ (1989: 51) besagt: "Die das Nebengestein überlagernden Mergel sind ebenfalls in die Zone NP 16 einzuordnen".

HAGN erwähnt auch eine "geringmächtige Schicht schwarzer Mergel" (HAGN et al. 1992: 42) an der Basis der südhelvetischen Stockletten am Kressenberg - also in äquivalenter, wenn auch nicht zeitlich korrelater Position wie die Sedimente des Spirka Member - und nimmt an, "dass die Ablagerungsbedingungen in beiden Fällen die gleichen waren" (HAGN 1960: 54).
Nach den Untersuchungen durch WEHNER (1981), der unter Anderen auch "schwarze Mergel" aus den „Oberen Adelholzen Formation“ und von der Basis der Stockletten aus dem Kressengraben untersuchte, sind beide Gesteine nach ihrem organischen Inhalt (TOC, diverse Kohlenwasserstoffe, etc.) zwar durchaus verschieden, die Ergebnisse schließen eine ähnliche Fazies - mit Fazies-Wanderung Richtung Norden - jedoch nicht aus.

Wieder lithologisch und faunistisch zu korrelieren sind die Stockletten mit eingeschalteten Bänken von Corallinaceenschutt-Kalken, die in beiden Faziesräumen (Nord- und Südhelvetikum) zur Ablagerung kommen und daher wiederholt als "faziesbrechend " (zuletzt in HAGN et al. 1992: 36) bezeichnet werden. Allerdings setzt die Fazies der Stockletten im Südhelvetikum infolge der von HAGN (z.B. 1960) festgestellten Trogwanderung und der damit einhergehenden Fazieswanderung in Richtung Norden etwas früher ein (etwa ab dem Unteren Biarritzian“(Bartonian)) als im Nordhelvetikum (etwa ab dem Mittleren „Biarritzian“ (Bartonian)).
Anhand der pelagischen Foraminiferen, untergeordnet auch benthonischer Arten, erarbeitete er eine Zonengliederung des bayerischen Helvetikums (siehe HAGN 1960: 55 ff.), kommt jedoch später zu anderen Ergebnissen (siehe HAGN et al. 1992).


  • Literatur

BUCHHOLZ, P. (1989): Der Lithothamnienkalk Südostbayerns. Sedimentologie und Diagenese eines Erdgasträgers. - Geol. Bav., 93: 97 S., 32 Abb., 3 Tab., 5 Taf., 1 Beilage;München.

GANNS, O. (1956): Geologie des Blattes Bergen. Mit einem Beitrag von I. De KLASZ (Helvetische Zone), K. GÖTZINGER (Bohrung Bergen 1) und F. Vogel (Bodenkundlicher Beitrag). - Geol. Bav., 26: 1-164, 1 Karte und 1 Profiltaf. 1: 25 000, 7 Abb., 5 Beil.; München.

HAGN, H. (1960): Die stratigraphischen, paläogeographischen und tektonischen Beziehungen zwischen Molasse und Helvetikum im östlichen Oberbayern. - Geol. Bav., 44: 1-208, 10 Abb., 12 Taf., 1 Tab.; München.

HAGN, H. et al. (1981): Die Bayerischen Alpen und ihr Vorland in mikropaläontologischer Sicht. Exkursionsführer 17. Europäischen Mikropaläontologischen Kolloquium in Oberbayern, September 1981 (mit Beiträgen zahlreicher Autoren). – Geol. Bav., 82: 408 S., 70 Abb., 13 Taf., 7 Tab; München.

HAGN, H. & DARGA, R. & SCHMID, R. (1992): Siegsdorf im Chiemgau –Erdgeschichte und Urwelt. – 241 Seiten, 20 Abb., 4 Tab., 80 Taf.; Siegsdorf (Eigenverlag).

HEYNG, A.M. (2003): Neugliederung der Adelholzener Schichten (Eozän; Nordhelvetikum) im Raum Siegsdorf-Bad Adelholzen unter besonderer Berücksichtigung der Großforaminiferen und Molluskenfauna (Teil 1) einschließlich Erläuterungen zur Geologischen Karte (Teil 2) (Spezialkartierung der Adelholzener Schichten im Raum Bergen-Siegsdorf, ergänzend mit Aufschlüssen auf dem Betriebsgelände des Zementwerkes Rohrdorf). – Diplomarbeit, Department für Geo- undUmweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München.

REIS, O. M. (1896): Erläuterungen zu der geologischen Karte der Voralpenzonezwischen Bergen und Teisendorf. I. Stratigraphischer Theil. - Geogn. Jh., 8, 1895: 1-155, 7 Abb.; Cassel (Geol. Karte in Band 7, 1895 erschienen).

SCHLOSSER, M. (1925): Die Eocaenfaunen der bayerischen Alpen. I. Teil: Die Faunen des Unter- und Mitteleocaen. - Abh. Bayer. Akad. Wiss., Mathem.-naturw. Abt., 30, 7. Abh.: 1-207, Taf. 1-6, 2 Tab.; München.

WEHNER, H. (1981): Der organische Inhalt einiger „schwarzer“ Mergel des bayerischen Alpenvorlandes im Hinblick auf das Kohlenwasserstoff-Bildungs- Potential. - Geol. Bav., 82: 399-408; München.

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(A. M. Heyng / 08.03.2009 / Artikel #118)
Stratigraphie der Adelholzen Formation 
Seit O.M. REIS (1896: 24) existierte eine Unterteilung der Adelholzener Schichten (= Adelholzen Formation) in drei Abschnitte, basierend vor Allem auf lithologischen Gesichtspunkten. Diese Dreigliederung wurde meist unverändert von folgenden Autoren übernommen, von einigen durch eigene Beschreibungen ergänzt und verändert.
Durch mehrere, erstmals Ende der 90er Jahre aufgeschlossene Profile erschien eine grundlegende Neubearbeitung notwendig (HEYNG 2003), um die Stratigraphie der Adelholzener Schichten zu „entwirren“ und neu zu erstellen.


In HAGN et al. (1992: 35-36) wird die stratigraphische Drei-Gliederung der Adelholzener Schichten zuletzt übernommen und soll hier stellvertretend in Ausschnitten zitiert werden: Die Unteren Adelholzener Schichten werden als glaukonitisch-sandig ausgebildet (ibid.: 35) bezeichnet; des weiteren enthielten sie gelegentlich Oberkreide-Gerölle. Die „Mittleren Adelholzener Schichten“ werden beschrieben als grüngraue, schwach glaukonitische, kalkig-mergelig gebundene, etwas mürbe Nummuliten- und Assilinenkalke. Und weiter: Die Oberen Adelholzener Schichten liegen meist als grünlichgraue, mehr oder weniger glaukonitreiche Mergel vor (ibid.: 36).

Des Weiteren entspreche die Gliederung in 3 Abschnitte tendenziell einer Sand-Kalk-Mergel-Abfolge entsprechend der Veränderung der Lithologie durch eine stetige Vertiefung des Sedimentationsraumes (z.B. REIS 1896 oder HAGN et al. 1992). Demnach sind die Unteren Adelholzener Schichten als flachste, litorale Bildung und Transgressions-Horizont eher sandig, die mittleren Bereiche eher kalkig und die Oberen Adelholzener Schichten als Ablagerung des tieferen Wassers - überleitend zu den Stockletten - mergelig ausgebildet.

Als Neuerung seit O.M. REIS (1896) nennt DE KLASZ (in GANNS 1956) erstmals aus den Gräben südlich Spirka ein hangendes Schichtglied der Adelholzen Formation. Er bezeichnet es als „Schwarzschiefer­fazies“ der Adelholzen Formation und beschreibt sie hier als schwarze, in trockenem Zustand schwarz-graue Mergel, die tonig oder feinstsandig, feinglimmerig, oft stark glaukonithaltig ausgebildet sind.

Ebenfalls von der alten Gliederung abweichend werden in DARGA (1998) und DARGA et. al. (1999) bereits Schicht­-Bezeichnungen (z.B. Rohrdorf Member) gebraucht, die auch in der aktuellen Neugliederung (HEYNG 2003) als „Geländebezeichnungen“ weiterverwendet werden.

Nach ausführlichen Untersuchungen neu entstandener Aufschlüsse (Bad Adelholzen, Zementsteinbruch Rohrdorf) wurde die Adelholzen Formation in HEYNG (2003) stratigraphisch neu gegliedert. Diese Neugliederung ist von der bisherigen Drei-Gliederung unabhängig. Es werden hier nach lithologischen und sedimentologischen, untergeordnet paläontologischen Gesichts­punkten 7 einzelne Horizonte beschrieben, voneinander abgegrenzt und vom Hangenden zum Liegenden wie folgt benannt (die „Geländebezeichnungen“ der einzelnen Member sind in Klammern gesetzt):

Spirka Member (Schwarzmergel)
Rohrdorf Member (Braune Schicht)
Fadengraben Member (Discocyclinenmergel)
Schneckengraben Member (Glaukonitsandstein)
Höllgraben Member (Nummulitenkalk)
Ramberg Member (Assilinenmergel)
Nummulitenköpfl Member (Basaler Sandmergel)



  • Typuslokalitäten
Als Typuslokalität der Adelholzen Formation galt seit REIS (1896) der Graben südlich vom Kurhaus Adelholzen (z.B. GANSS et al. 1977: 49), genannt Höllgraben. Die stratigraphische Neugliederung (HEYNG 2003) mit 7 einzelnen Schichten (Member) erforderte die Festlegung jeweils eigener Typuslokalitäten je Schicht, die auch in die Schichtbezeichnungen mit einfloss (siehe jeweils unter den einzelnen Membern).



  • Typusprofil
Durch den Erweiterungsbau der Adelholzener Mineralwasser GmbH im Jahre 1996 wurde im südwestlichen Bereich des Betriebsgeländes eine stets zugängliche Profilabfolge aufgeschlossen. Sie wird auch langfristig der Wissenschaft zur Verfügung stehen und als Typusprofil der Adelholzen Formation definiert.



  • Verwitterungsprofil Rohrdorf
Abbildung #6 (links) zeigt das zusammengesetzte Verwitterungsprofil der Adelholzen Formation aus dem Zementsteinbruch Rohrdorf (Profile Secula-Tetra-Halle und Profil Nummulitenköpfl) mit durchschnittlichen Mächtigkeitsangaben (Maßstab links in der Profilzeichnung = 1 Meter).
Download PDF: Verwitterungsprofil Rohrdorf (847KB)



  • Literatur

DARGA, R. (1998): Südostbayerisches Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf. - Bayerische Museen, 25: 1-158, zahlr.Abb. u. Taf.; München.

DARGA, R., BÖHME, M., GÖHLICH, U. & RÖSSNER, G. (1999): Reste höherer Wirbeltiere aus dem Alttertiär des Alpenvorlandes bei Siegsdorf/Oberbayern.- Mitt. Bayer. Staaatssammlung f. Paläont. Hist. Geol.,39: 91-114; München.

GANNS, O. (1956): Geologie des Blattes Bergen. Mit einem Beitrag von I. De KLASZ (Helvetische Zone), K. GÖTZINGER (Bohrung Bergen 1) und F. VOGEL (Bodenkundlicher Beitrag). - Geol. Bav., 26: 1-164, 1 Karte und 1 Profiltaf. 1 : 25 000, 7 Abb., 5 Beil.; München.

GANNS, O. (1977): Erläuterungen zum Blatt Nr. 8140 Prien a. Chiemsee und zum Blatt Nr. 8141 Traunstein, Geologische Karte von Bayern 1 : 25 000. Mit Beiträgen zahlreicher Autoren. - 1-344, 58 Abb., 8 Tab., 4 Beil.; München (Bayer. Geol. Landesamt).

HAGN, H. et al. (1981): Die Bayerischen Alpen und ihr Vorland in mikropaläontologischer Sicht. Exkursionsführer 17. Europäischen Mikropaläontologischen Kolloquium in Oberbayern, September 1981 (mit Beiträgen zahlreicher Autoren). – Geol. Bav., 82: 408 S., 70 Abb., 13 Taf., 7 Tab; München.

HAGN, H. & DARGA, R. (1989): Zur Stratigraphie und Paläogeographie des Helvetikums im Raum von Neubeuern am Inn. - Mitt. Bayer. Staatsslg. Paläont. hist. Geol., 29: 257-275; München.

HAGN, H. & DARGA, R. & SCHMID, R. (1992): Siegsdorf im Chiemgau – Erdgeschichte und Urwelt. – 241 Seiten, 20 Abb., 4 Tab., 80 Taf.; Siegsdorf (Eigenverlag).

HEYNG, A. M. (2003):Neugliederung der Adelholzen Formation (Eozän; Nordhelvetikum) im Raum Siegsdorf-Bad Adelholzen unter besonderer Berücksichtigung der Großforaminiferen und Molluskenfauna (Teil 1) einschließlich Erläuterungen zur Geologischen Karte (Teil 2) (Spezialkartierung der Adelholzen Formation im Raum Bergen – Siegsdorf, ergänzend mit Aufschlüssen auf demBetriebsgelände des Zementwerkes Rohrdorf). – unveröff. Diplom-Arbeit, LMU München.

REIS, O. M. (1896): Erläuterungen zu der geologischen Karte der Voralpenzone zwischen Bergen und Teisendorf. I. Stratigraphischer Theil. - Geogn. Jh., 8, 1895: 1-155, 7 Abb.; Cassel (Geol. Karte in Band 7, 1895 erschienen).

REIS, O. M. (1922): Nachträge zur Geologischen Karte der Voralpenzone zwischen Bergen und Teisendorf. (Geogn. Jh. 1894 und 1895) II. Teil. - Geogn. Jh., 34,1921: 223-244, 3 Abb., 1 Taf.; München.

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Geomnia Printed #116


(A. M. Heyng / 07.03.2009 / Artikel #116)
Fauna und Flora der Adelholzen Formation 
Die umfassendste Bearbeitung der Fossilien des Helvetikums erfolgte durch SCHLOSSER (1925) in seiner monographischen Bearbeitung "Die Eocaenfaunen der bayerischen Alpen". Des weiteren finden sich Angaben zur Fauna vereinzelt in der neueren Literatur. Zuletzt beschrieb HEYNG (2003) die Fauna und Flora der Adelholzen Formation horizontiert nach der in gleicher Arbeit erstellten aktuellen Stratigraphie.


Folgende Fauna beschreibt SCHLOSSER (1925: 198 - 201) aus den Adelholzen Formation: Aus der "obersten Stufe" (ibid.: 199) der Adelholzen Formation nennt er nur:

BIVALVIA
Scalaria densicostata SCHAFH.
Gryphaea gümbeli MAYER

BRACHIOPODA
Terebratulina eudichotoma GÜMBEL

Aus den "Mittleren Adelholzener Schichten", die er wohl mit dem Höllgraben Member gleichsetzte, bestimmte SCHLOSSER (1925: 199) selbst an Großforaminiferen:

FORAMINIFERA
Orthophragmina discus RÜTIM. = Discocyclina discus RÜTIM.
Orthophragmina sella D´ARCH. = Discocyclina sella (D`ARCH.)
Orthophragmina fortisi D´ARCH.
Orthophragmina patellaris SCHLOTHEIM = Aktinocyclina patellaris (SCHLOTHEIM)
Orthophragmina variecostata GMB.
Orthophragmina stellata D´ARCH.
Assilina exponens SOW. - siehe auch Die Gattung Assilina (Foraminifera)
Assilina granulosa D´ARCH.
Assilina mammillata D´ARCH.
Nummulites millecaput BOUBÉ - siehe auch Die Gattung Nummulites (Foraminifera)
Nummulites helveticus KAUFM.
Nummulites laevigatus BRUG.
Operculina granulata LEYM. - siehe auch Die Gattung Operculina (Foraminifera)

Des weiteren nennt er folgende Fauna, die hier tabellarisch und weitgehend unkommentiert wiedergegeben wird:

ANNELIDA
Serpula spirulae LAM. = Rotularia spirulae (LAM.)
Serpula bispirata SCHLOSSER
Serpula nummulitica SCHLOSSER

ECHINODERMATA
Cyphosoma blanggianum DESH.?
Echinocyamus alpinus AG.
Conoclypeus conoideus LESKE = Conoclypus conoideus LESKE

BRACHIOPODA
Terebratulina eudichotoma GMB.

BIVALVIA
Ostrea gigantica SOL. = Pycnodonte gigantica (SOL. In BRANDER)
Ostrea alticostata MAY.
Cyclostreon parvulum GMB.
Spondylus schafhäutli FRAUSCH. (n. REIS)
Spondylus frauscheri SCHLOSSER
Spondylus münsteri GÜMBEL
Spondylus teisenbergensis SCHAFH.
Spondylus bifrons MÜNST.
Pecten tripartitus DESH.
Pecten scutulatus SCHAFH.
Pectunculus alpinus SCHAFH.

VERTEBRATA
Oxyrhina sp.

Aus der "tiefsten Stufe" der Adelholzener Schichten lag SCHLOSSER selbst kein Material, sondern nur eine Liste von Bestimmungen einer dritten Person vor, die Schlosser selbst anzweifelte und verwarf. Sie wird daher auch an dieser Stelle nicht berücksichtigt.

Aus der Adelholzen Formation des Fundortes "Götzreut" (= Gerhartsreiter Graben östlich Siegsdorf) nennt SCHLOSSER (1925: 200) noch weitere Molluskenarten:

BIVALVIA
Pecten suborbicularis MÜNST.
Pecten plebejus DESH.
Cyclostreon internostriatum GÜMBEL

Des weiteren revidierte er die Angaben von REIS (1896: 28) und bestätigt weitere Arten:

BRACHIOPODA
Terebratula aequivalvis (SCHAFHÄUTL)

BIVALVIA
Cardium plumsteadiense SOW.

GASTROPODA
Turritella sp.
Conus helveticus MAYER


Aus den Adelholzener Schichten der Umgebung von Neubeuern nennt HAGN (1954: 44) folgende Groß­foraminiferen-Arten:

FORAMINIFERA
Nummulites complanatus LAM. - siehe auch Die Gattung Nummulites (Foraminifera)
Nummulites perforatus (MONTF.)
Assilina exponens (SOW.)
Discocyclina discus (RÜTIM.) - siehe auch Die Gattungen Discocyclina und Actinocyclina (Foraminifera)
Discocyclina sella (D`ARCH.)


Die Mikrofauna und -Flora der Spirka Member ("Schwarzschiefer-Fazies" sensu DE KLASZ 1956) wurde zuletzt von HAGN (1981) untersucht. Dieser nennt hier über 50 Foraminiferen-Arten und 24 Nannoplankton-Arten (HAGN et. al. 1981: 67 - 70 bzw. 130-131), die folgend wiedergegeben sind:

FORAMINIFERA
Radiolaria gen. et sp. indet.
Clavulinoides szaboi haeringensis
Plectina eocenica
Marginulinopsis infracompressa
Vacinulinopsis asperuliformis
Nodosaria latejugata
Uvigerina chirana
Truncorotalia sp.
Turborotalia sp.
Stilostomella sp.
Planulina sp.
Cibicides sp.
Globigerina cryptomphala GLAESSNER
Globigerina eocaena GÜMBEL
Globigerina hagni GOHRBANDT
Globigerina linaperta FINLAY
Globigerinita pera (TODD)
Acarinina bullbrooki (BOLLI)
Acarinina spinuloinflata (BANDY)
Truncorotaloides rohri BRÖNNIMANN & BERMUDEZ
Pseudohastigerina micra (COLE)
Spiroplectammina (Semivulvulina) dalmatina (DE WITT PUYT)
Tritaxia szaboi (HANTKEN)
Karreriella subglabra (GÜMBEL)
Plectina dalmatina (SCHUBERT)
Tritaxilina pupa (GÜMBEL)
Vaginulinopsis asperuliformis (NUTTALL)
Marginulinopsis infracompresse THALMANN
Nodosaria latejugata GÜMBEL
Bulimina truncana jacksonensiformis HAGN
Uvigerina acutocostata (HAGN)
Uvigerina chirana CUSHMAN & STONE
Stilostomella globulicauda (GÜMBEL)
Gavelinella micra (BERMUDEZ)
Heterolepa n. sp.
Planulina costata (HANTKEN)
Planulina compressa (HANTKEN)
Anomalinoides alazanensis spissiformis (CUSHM. & STAINFORTH)
Ammodiscus sp.
Quinqueloculina sp.
Sigmoilina sp.
Robulus sp.
Dentalina sp.
Nodosaria sp.
Marginulina sp.
Lingulina sp.
Guttulina sp.
Bolivina sp.
Uvigerina sp.
Stilostomella sp.
Eponides sp.
Osangularia sp.
Valvulineria sp.
Nuttallides sp.
Baggina sp.
Asterigerina sp.
Heterolepa sp.
Anomalinoides sp.
Chilostomella sp.
Nonionella sp.

NANNOPLANKTON
Blackites tenuis (BRAMLETTE & SULLIVAN)
Chiasmolithus solitus (BRAMLETTE & SULLIVAN)
Coccolithus eopelagicus (BRAMLETTE & RIEDEL)
Coccolithus pelagicus (WALLICH)
Cribrocentrum reticulatum (GARTNER & SMITH)
Cyclococcolithus floridanus (ROTH & HAY)
Cyclococcolithus formosus KAMPTNER
Dictyococcites dictyodus (DEFLANDRE & FERT)
Discoaster barbadiensis TAN SIN HOK
Discoaster saipanensis BRAMLETTE & RIEDEL
Discoaster tani BRAMLETTE & RIEDEL
Discolithina distincta (BRAMLETTE & SULLIVAN)
Discolithina plana (BRAMLETTE & SULLIVAN)
Lanternithus minutus STRADNER
Micrantholithus flos DEFLANDRE
Micrantholithus vesper DEFLANDRE
Reticulofenestra umbilica (LEVIN)
Reticulofenestra sp.
Sphenolithus furcatolithoides LOCKER
Sphenolithus moriformis (BRÖNNIMANN & STRADNER)
Zygolithus dubius DEFLANDRE
Zygolithus bijugatus (DEFLANDRE)


Des weiteren finden sich aus derAdelholzen Formation des Höllgrabens (wahrscheinlich Höllgraben Member) in HAGN et al. (1992:140-143) folgende Arten von inkrustierenden Bryozoen angegeben, aufgewachsen auf Nummuliten-Gehäuse:

BRYOZOA
Puellina (Cribrilaria) n. sp. ?
Cyclicopora sp.
Escharoides (Mucronella) loricata KOSCHINSKY


Im Führer des Mammut-Museums Siegsdorf (DARGA 1998) sind aus den Adelholzen Formation noch abgebildet (ohne Angaben zum Fundhorizont; hier - wenn möglich - rekonstruiert und in Klammern angegeben):

BIVALVIA
Teredo sp. (Ramberg Member ?)

CRUSTACEA
Harpactoxanthopsis quadrilobatus (DESMAREST) (Rohrdorf Member)

VERTEBRATA
Carcharocles sp. (Rohrdorf Member)

FLORA
Bernstein (Rohrdorf Member)


BÖHME (in DARGA et. al. 1999: 106) beschrieb Reste einer carettochelyiden Weichschildkröte der Gattung Allaeochelys aus der Braunen Schicht des
Typusprofils in Bad Adelholzen.


Aktuell wurden in HEYNG (2003) weitere Gattungen und Arten nachgewiesen und horizontiert nach der neuen stratigraphischen Gliederung der Adelholzen Formation beschrieben (siehe hierzu unter den jeweiligen Membern:
Spirka Member (Schwarzmergel)
Rohrdorf Member (Braune Schicht)
Fadengraben Member (Discocyclinenmergel)
Schneckengraben Member (Glaukonitsandstein)
Höllgraben Member (Nummulitenkalk)
Ramberg Member (Assilinenmergel)
Nummulitenköpfl Member (Basaler Sandmergel)


Zuletzt wurden ein bemerkenswerter Fund von Carcharocles auriculatus (BLAINVILLE) aus dem Spirka Member mitgeteilt (HEYNG 2007, siehe unter Publikationen) sowie ein laurophyller Blattrest aus dem Fadengraben Member beschrieben (HEYNG & GREGOR 2007, siehe unter Publikationen).



  • Links zu Fauna und Flora
Die Gattung Nummulites (Foraminifera)
Die Gattung Assilina (Foraminifera)
Die Gattungen Discocyclina und Actinocyclina (Foraminifera)
Die Gattung Operculina (Foraminifera)

Rotularia spirulae (LAM.)




  • Literatur

DARGA, R. (1998): Südostbayerisches Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf. - Bayerische Museen, 25: 1-158, zahlr.Abb. u. Taf.; München.

DARGA, R., BÖHME, M., GÖHLICH, U. & RÖSSNER, G. (1999): Reste höherer Wirbeltiere aus dem Alttertiär des Alpenvorlandes bei Siegsdorf/Oberbayern.- Mitt. Bayer. Staaatssammlung f. Paläont. Hist. Geol.,39: 91-114; München.

GANNS, O. (1956): Geologie des Blattes Bergen. Mit einem Beitrag von I. De KLASZ (Helvetische Zone), K. GÖTZINGER (Bohrung Bergen 1) und F. Vogel (Bodenkundlicher Beitrag). - Geol. Bav., 26: 1-164, 1 Karte und 1 Profiltaf. 1: 25 000, 7 Abb., 5 Beil.; München.

HAGN, H. (1954): Geologisch-paläontologische Untersuchungen im Helvetikum und Flysch des Gebietes von Neubeuern am Inn (Oberbayern). - Geol. Bav., 22: 1-136, 26 Abb., 1 geol. Karte; München.

HAGN, H. et al. (1981): Die Bayerischen Alpen und ihr Vorland in mikropaläontologischer Sicht. Exkursionsführer 17. Europäischen Mikropaläontologischen Kolloquium in Oberbayern, September 1981 (mit Beiträgen zahlreicher Autoren). – Geol. Bav.,82: 408 S., 70 Abb., 13 Taf., 7 Tab.; München.

HAGN, H. & DARGA, R. & SCHMID, R. (1992): Siegsdorf im Chiemgau – Erdgeschichte und Urwelt. – 241 Seiten, 20 Abb., 4 Tab., 80 Taf.; Siegsdorf (Eigenverlag).

HEYNG, A.M. (2003): Neugliederung der Adelholzener Schichten (Eozän; Nordhelvetikum) im Raum Siegsdorf-Bad Adelholzen unter besonderer Berücksichtigung der Großforaminiferen und Molluskenfauna (Teil 1) einschließlich Erläuterungen zur Geologischen Karte (Teil 2) (Spezialkartierung der Adelholzener Schichten im Raum Bergen-Siegsdorf, ergänzend mit Aufschlüssen auf dem Betriebsgelände des Zementwerkes Rohrdorf). – Diplomarbeit, Department für Geo- undUmweltwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München.

HEYNG, A. M. (2007): Zwei Zähne des Riesenhaies Carcharocles auriculatus (BLAINVILLE) aus dem Spirka-Member der Adelholzen-Formation (Eozän) von Rohrdorf am Chiemsee (Süddeutschland). – Documenta naturae, 164, Teil 1: 33-35, 1 Taf.; München.

HEYNG, A. M. & GREGOR, H.-J. (2007): Ein lauroider Blattrest aus dem marinen Eozän von Rohrdorf im Chiemgau. – Documenta naturae, 164, Teil 1: 29-31, 2 Abb., 1 Taf.; München.

REIS, O. M. (1896): Erläuterungen zu der geologischen Karte der Voralpenzonezwischen Bergen und Teisendorf. I. Stratigraphischer Theil. - Geogn. Jh., 8, 1895: 1-155, 7 Abb.; Cassel (Geol. Karte in Band 7, 1895 erschienen).

SCHLOSSER, M. (1925): Die Eocaenfaunen der bayerischen Alpen. I. Teil: Die Faunen des Unter- und Mitteleocaen. - Abh. Bayer. Akad. Wiss., Mathem.-naturw. Abt., 30, 7. Abh.: 1-207, Taf. 1-6, 2 Tab.; München.

Mehr unter Helvetikum - Paläontologie (allgemein), Helvetikum - Paläontologie (allgemein) oder unter Literatur ...


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(A. M. Heyng / 08.03.2009 / Artikel #121)