Ältester Nachweis der Protocetidae in Europa 
Ein spektakulärer Neufund aus den basalen, sandig entwickelten Stockletten aus dem Zementsteinbruch Rohrdorf: Ein isolierter Wirbel eines Wales der Gattung Eocetus FRAAS, 1904 - der erste bekannte Beleg der Familie der Protocetidae in Europa (siehe Uhen & Berndt 2008).

Der Originalfund wird aufbewahrt in der Privatsammlung BERNDT und wurde dem United States National Museum (Inv.-Nr. USNM 534001) sowie der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie München zur Anfertigung eines Abgusses zur Verfügung gestellt.


Abbildungen:

#1: Der Finder H.-J. BERNDT beim herausflexen des Knochens Ende Mai 2003 im Zementsteinbruch Rohrdorf.

#2: Der Fortschritt der Flex-Arbeiten während der Bergung.

#3: Der Wirbel nach der Präparation.

#4: Liegende Seite der basalen Stockletten ("Basisbank"; der Fundort des Wirbels ist abgedeckt) mit Grabgängen, wahrscheinlich verursacht durch unbekannte Krebse.

#5: Detailaufnahme aus Abbildung #4 mit Grabgängen und Konkretionen.

#6: Ein Zahn von Carcharocles auriculatus (BLAINVILLE) aus der Basisbank der Stockletten.

#7: Carapax einer unbestimmten Xanthopsiden-Art aus der Basisbank, womöglich der Verursacher der Grabgänge.


  • Literaturauswahl

Albright, L. B., III. 1996. A protocetid cetacean from the Eocene of South Carolina. – Journal of Paleontology 70 (3): 519–522.

Geisler, J. H., Sanders, A. E. & Luo, Z. 1996. A new protocetid cetacean from the Eocene of South Carolina, U.S.A; phylogenetic and biogeographic implications. – The Paleontological Society Special Publication 8 (Sixth North American Paleontological Convention Abstracts of Papers): 139.

Gingerich, P. D., Arif, M. & Clyde, W. C. 1995. New archaeocetes (Mammalia, Cetacea) from the middle Eocene Domanda Formation of the Sulaiman Range, Punjab (Pakistan). – Contributions from the Museum of Paleontology, The University of Michigan 29 (11): 291–330.

Uhen, M. D. 1998. New protocetid (Mammalia, Cetacea) from the late middle Eocene Cook Mountain Formation of Louisiana. – Journal of Vertebrate Paleontology 18 (3): 664–668.

Uhen, M. D. 1999. New species of protocetid archaeocete whale, Eocetus wardii (Mammalia, Cetacea), from the middle Eocene of North Carolina. – Journal of Paleontology 73 (3): 512–528.

Uhen, M. D. 2001. New material of Eocetus wardii (Mammalia, Cetacea), from the middle Eocene of North Carolina. – Southeastern Geology 40 (2): 35–148.

Uhen, M. D. 2002. Basilosaurids; pp. 78-81 in W. F. Perrin, B. Würsig, and J. G. M. Thewissen (eds.), Encyclopedia of Marine Mammals. Academic Press, San Diego.

Uhen, M. D. & Berndt, H.-J. 2008. First record of the archaeocete whale family Protocetidae from Europe. – Fossil Record 11 (2): 57-60.

Uhen, M. D. & Tichy, G. 2000. A new basilosaurid archaeocete from Austria. – Journal of Vertebrate Paleontology 20 (3): 74A–75A.

Uhen, M. D. 2007. The terrestrial to aquatic transition in Cetacea; pp. 392-408 in J. S. Anderson and H.-D. Sues (eds.), Major Transitions in Vertebrate Evolution. Indiana University Press, Bloomington, Indiana.

Weitere Literaturangaben finden Sie unter Literatur ...


  • Web-Links

>> Philip D. Gingerich's archaeocete research - http://www-personal.umich.edu/%7Egingeric/PDGwhales/Whales.htm

>> Palaeocetologie – Fossile Wale auf Cetacea.de - http://www.cetacea.de/palaeocetologie/index.php


H.-J. Berndt & A. M. Heyng 2009
Neufund: Der Zahn eines Basilosauriden aus den basalen Stockletten 
In den basalen, sandigen Stockletten (Nannoplankton-Zone NP 16 bis NP 17, Oberes Bartonian bzw. Unteres Priabonian) des „Nummulitenköpfls“ im Zementsteinbruch Rohrdorf konnte das vorliegende Zahn-Fragment eines Basilosauriden (Basilosauridae gen. et sp. indet.) geborgen werden. Eine nähere Zuordnung zu einer bestimmten Gattung oder Unterfamilie ist ohne weitere Funde nicht möglich (siehe UHEN & BERNDT 2008).

Der Originalfund wird aufbewahrt in der Privatsammlung SCHELLHORN und wurde der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München zur Anfertigung eines Abgusses zur Verfügung gestellt.


  • Literaturauswahl

Uhen, M. D. 2002. Basilosaurids; pp. 78-81 in W. F. Perrin, B. Würsig, and J. G. M. Thewissen (eds.), Encyclopedia of Marine Mammals. Academic Press, San Diego.

Uhen, M. D. & Berndt, H.-J. 2008. First record of the archaeocete whale family Protocetidae from Europe. – Fossil Record 11 (2): 57-60.

Uhen, M. D. & Tichy, G. 2000. A new basilosaurid archaeocete from Austria. – Journal of Vertebrate Paleontology 20 (3): 74A–75A.

Weitere Literaturangaben finden Sie unter Literatur


S. Schellhorn & A. M. Heyng 2009
Harpactoxanthopsis quadrilobatus (DESMAREST, 1822) 
In der Adelholzen Formation finden sich häufig Krebse der Art Harpactoxanthopsis quadrilobatus (DESMAREST, 1822) neben Fragmenten der Schwimmkrabbe Ranina sp. und weiteren Decapoden-Arten. Ihr Vorkommen reicht hier vom Hangenden des Schneckengraben Members (Glaukonitsandstein) bis zum Hangenden der Braunen Schicht (Rohrdorf Member; Fazies-Typ Bs 2). Besonders zahlreich trat Harpactoxanthopsis in den Fazies-Typen Dm 1 und Dm 2 des Fadengraben Members auf.

Ob der meist phantastischen Erhaltung mit artikulierten Extremitäten und Scheren und der hohen Transportempfindlichkeit von Dekapoden-Resten muß man annehmen, daß der Sedimentationsraum weitgehend auch dem Lebensraum entsprach. Zu diesem sei VOGELTANZ (1972:37) zitiert:
"Aus der Form der Extremitäten, die etwa jener der rezenten Ocypode aegyptica vergleichbar ist, geht hervor, daß die Art auf dem Sediment lief, vermutlich auch grabend und zeitweise über dem Wasserspiegel leben konnte.


Abbildungen:

#1 & #2: Harpactoxanthopsis quadrilobatus (DESMAREST, 1822) aus dem Fadengraben Member der Adelholzen Formation (Eozän; Lutetian); Fundort: Zementsteinbruch Rohrdorf (Slg. amh-Geo München).

#3: Harpactoxanthopsis quadrilobatus (?) aus dem Glaukonitsandstein (Schneckengraben Member) der Adelholzen Formation; Fundort: Zementsteinbruch Rohrdorf (Slg. BERNDT).

#4 & #5: Harpactoxanthopsis sp. aus dem Basalen Sandmergel (Nummulitenkoepfl Member) der Adelholzen Formation; Fundort: Zementsteinbruch Rohrdorf (Slg. KMENT).


  • Ausführliche Informationen zu den Adelholzener Schichten finden Sie unterAdelholzen Formation ...


  • Literatur

HAGN, H. & DARGA, R. & SCHMID, R. (1992): Siegsdorf im Chiemgau – Erdgeschichte und Urwelt. – 241 Seiten, 20 Abb., 4 Tab., 80 Taf.; Siegsdorf (Eigenverlag).

VOGELTANZ, R. (1972): Die Crustacea Decapoda aus der Fossilschicht von Salzburg (Tiefes Lutetium, Südhelvetikum). - Ber. Haus d. Natur Salzburg, 3:
29-45, 2 Abb., 1 Taf.; Salzburg.

Mehr Literatur finden Sie unter Helvetikum - Paläontologie (allgemein) oder unter Literatur


A. M. Heyng 2009
Conoclypus conoideus LESKE 
Coronen des Seeigels Conoclypus conoideus (LESKE) sind aus Sedimenten des oberbayerischen Helvetikums seit langem bekannt. Im eozänen Süd- wie auch im Nordhelvetikum (vertreten durch die Adelholzen Formation) gehört diese großwüchsige Art zu den häufigen Funden.

In der Adelholzen Formation ist das Vorkommen von C. conoideus bisher vom Basalen Sandmergel (Nummulitenkoepfl Member) über den Assilinenmergel (Ramberg Member) bis zum Hangenden des Nummulitenkalkes (Hoellgraben Member) durch Funde belegt - oft nur durch Bruchstücke oder tektonisch verdrückte Exemplare (siehe Abbildungen #3, #4).

Ab dem Glaukonitsandstein (Schneckengraben Member) bis ins Hangende des Discocyclinenmergels (Fadengraben Member) findet sich jedoch ausschließlich eine weitere Form der Gattung Conoclypus: Die Coronen sind hier allgemein kleiner, dünnschaliger, und scheinen spitzer auszulaufen als bei C. conoideus. Besonders zahlreich ist diese Form (Conoclypus sp.) im Hangenden von Fazies-Typ Dm 1 und im Fazies-Typ Dm 2 des Discocyclinenmergels festzustellen.

Zum wahrscheinlichen Lebensraum von C. conoideus schreiben HAGN et. al. (1992:198): "Die kräftige, dickschalige Corona läßt auf eine tropische Flachsee schließen (...)." Diese dicke, robuste Corona ist demnach auch als Anpassung an einen hochenergetischen Lebensraum zu sehen. Bei Conoclypus sp. könnte es sich dementsprechend um eine an geringere Wasserenergie bzw. vielleicht auch tieferes Wasser angepasste Form handeln.


Abbildungen:

#1 & #2: Conoclypus sp. aus dem Discocyclinenmergel der Adelholzen Formation, Zementsteinbruch Rohrdorf; Durchmesser ca. 6 Zentimeter (Slg. amh-Geo München).

#3: Tektonisch verdrückte Corona von Conoclypus sp. aus dem Discocyclinenmergel der Adelholzen Formation, Zementsteinbruch Rohrdorf; größter Durchmesser ca. 6 Zentimeter (Slg. amh-Geo München).

#4: Tektonisch deformierte Corona des Seeigels C. conoideus (LESKE) aus dem "Nebengestein" des Fundortes Eckbichl; größter Durchmesser ca. 11 Zentimeter (Slg. amh-Geo München).


  • Literatur

HAGN, H. & DARGA, R. & SCHMID, R. (1992): Siegsdorf im Chiemgau – Erdgeschichte und Urwelt. – 241 Seiten, 20 Abb., 4 Tab., 80 Taf.; Siegsdorf (Eigenverlag).

Mehr Literatur finden Sie unter Helvetikum - Paläontologie (allgemein) oder unter Literatur


A. M. Heyng 2009
Der Riesenhai Carcharocles aus dem Eozän von Rohrdorf 
Funde von Zähnen des Riesenhais Carcharocles im eozänen Helvetikum des Alpenvorlandes sind von vielen Aufschlüssen dieser Region beschrieben (siehe z.B. SCHLOSSER 1925), stets jedoch als Raritäten. Auch aus der Adelholzen Formation („Adelholzener Schichten“; Nordhelvetikum) sind spärliche Funde bekannt, hier überwiegend aus dem Rohrdorf Member („Braune Schicht“, siehe z.B. DARGA 1998: 108).

Im Frühsommer 2004 konnte ein Museumsstück aus dem Spirka-Member („Schwarzmergel“) der Adelholzen Formation geborgen werden: Ein Handstück mit zwei (!) aufsitzenden Zähnen von Carcharocles auriculatus (BLAINVILLE). Fundschicht des Stückes war ein sandiger, maximal etwa 30 Zentimeter mächtiger Horizont nahe der Basis des Schwarzmergels. Dieser führt neben Vertebratenresten eine reiche Fauna (Mollusken, Korallen, Echinodermen, Crustaceen, etc…) in wirrer Lagerung und wird als Slump-Fazies interpretiert.

Der Fund wurde publiziert (HEYNG 2007) und wird aufbewahrt in der Sammlung SEEHUBER, Altenmünster.


  • Literaturauswahl

DARGA, R. (1998): Südostbayerisches Naturkunde- und Mammut-Museum Siegsdorf. – Bayerische Museen; Bd. 25: 158 S., 265 Abb.; München (Weltkunst Verlag).

HEYNG, A.M. (2003): Neugliederung der Adelholzener Schichten (Eozän; Nordhelvetikum) im Raum Siegsdorf – Bad Adelholzen unter besonderer Berücksichtigung der Großforaminiferen und Molluskenfauna (Teil 1) – einschließlich Erläuterungen zur geologischen Karte (Spezialkartierung der Adelholzener Schichten) (Teil 2). – unveröff. Diplomarb. Inst. Paläont. Hist. Geol. Univ. München: 68 S., 20 Abb., 5 Taf., 1 geol. Karte; München.
(siehe Publikationen)

HEYNG, A. M. (2007): Zwei Zähne des Riesenhaies Carcharocles auriculatus (BLAINVILLE) aus dem Spirka-Member der Adelholzen-Formation (Eozän) von Rohrdorf am Chiemsee (Süddeutschland). – Documenta naturae, 164, Teil 1: 33-35, 1 Taf.; München.
(siehe Publikationen)

SCHLOSSER, M. (1925): Die Eocaenfaunen der bayerischen Alpen. I. Teil: Die Faunen des Unter- und Mitteleocaen. - Abh. Bayer. Akad. Wiss., Mathem.-naturw. Abt., 30, 7. Abh.: 1-207, Taf. 1-6, 2 Tab.; München.

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A. M. Heyng 2008
Die Riesenauster Pycnodonte gigantica (SOLANDER in BRANDER, 1766) 
Pycnodonte gigantica (SOLANDER in BRANDER, 1766) gehört zu den häufigsten Fossilien flachmariner Gesteine des europäischen Eozäns. Auch im alttertiären Helvetikum Oberbayerns ist diese Auster als "Charakterfossil" von Aufschlüssen in Bad Tölz über Bad Adelholzen bis hinein ins Salzburger Helvetikum bekannt.

Die Gattung Pycnodonte war ein ausgesprochener Flachwasserbewohner. An diesen Lebensraum mit hoher Wasserenergie war sie hervorragend angepasst. Zum einen bildete diese "Riesenauster" stets sehr derbe, dicke und schon alleine dadurch widerstandsfähige Schalen aus. Ein zweiter Grund für die hohe Stabilität liegt im internen Feinbau, der erst im Dünnschliff sichtbar wird (siehe Bild 3, Vergrößerung ca. 30X): Deutlich zu sehen sind zwei unterschiedliche Schalenstrukturen im wiederholten Wechsel - wie im Fachwerkbau: Ein Gerüst aus dünnen Lamellen, das durch blasige Hohlprismen ausgefüllt wird. Diese Hohlprismen, heute mit sparitischem Calcit gefüllt, waren einst - wie der Name besagt – hohl und dienten als Luftkammern. Hierdurch wurde Material und somit nicht nur Energie beim Bilden der Schale sondern - schlicht und ergreifend - auch Gewicht gespart.

Pycnodonte gigantica war – zumindest juvenil – mit der linken, stärker gewölbten Klappe an ein Hartsubstrat festgewachsen. Mit fortschreitendem Wachstum wurde Pycnodonte selbst zum Hartgrund für inkrustierende Organismen: Juvenile Austern und Spondyliden ("Stachelaustern") wuchsen auf, Serpeln ("Röhrenwürmer") und Bryozoen ("Moostierchen") besiedelten die Schalen. Auch bohrende Organismen wie die Bohrmuschel Lithophaga oder Bohrschwämme (Cliona sp.) siedelten in der Schale und förderten durch ihre Aktivitäten den Abbau des Gehäuses (= Bioerosion).


  • Literaturauswahl

HAGN, H. & DARGA, R. & SCHMID, R. (1992): Siegsdorf im Chiemgau – Erdgeschichte und Urwelt. – 241 Seiten, 20 Abb., 4 Tab., 80 Taf.; Siegsdorf (Eigenverlag).

SCHLOSSER, M. (1925): Die Eocaenfaunen der bayerischen Alpen. I. Teil: Die Faunen des Unter- und Mitteleocaen. - Abh. Bayer. Akad. Wiss., Mathem.-naturw. Abt., 30, 7. Abh.: 1-207, Taf. 1-6, 2 Tab.; München.

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A. M. Heyng 2008