Profilaufnahme der Moernsheim Formation am Schaudiberg 
Seit April 2008 erfolgt die Bearbeitung der in den Steinbrüchen am Schaudiberg südwestlich von Mühlheim aufgeschlossenen Mörnsheimer Schichten (Moernsheim Formation). Erstes Ziel dieser Arbeiten ist die Schaffung eines detaillierten Übersichtsprofils, in dem die genaue Abfolge der Schichten, Lithologie und Sedimentstrukturen sowie der Fossil-Inhalt erstmals systematisch beschrieben werden.

Die Profilaufnahme erfolgt hierbei abschnittsweise (in Sektionen), den aktuellen Aufschlussverhältnissen folgend, nach folgender Arbeitsweise und Methodik:

Das Anstehende wird freigelegt, vermessen und Bank für Bank, bestehenden Fugen folgend, horizontiert entnommen. Die geborgenen Schichtstapel werden jeweils in Scheiben gesägt (zwei Schnitt-Richtungen: a und im 90°-Winkel hierzu: B), geschliffen und anpoliert. Die polierten Anschliffe werden hochaufgelöst gescannt und zum Profil montiert. Ein Übersichtsprofil (Maßstab 2:1) und ein Detailprofil (Maßstab 1:5) werden erstellt.
Zur näheren Bearbeitung werden von ausgewählten Schnitten Ätzproben (HCl / 5-10%) bzw. petrologische Dünnschliffe erstellt. Lithologie und Sediment-strukturen können so detailliert bearbeitet werden.
Ergänzend wird mit einer gezielten Grabung der Fossil-Gehalt jeder Profil-Sektion horizontiert verzeichnet. Hierbei wird der betreffende Profilabschnitt auf einer Fläche von mehreren Quadratmetern Schicht für Schicht abgegraben. Makro- und Mikro-Reste der fossilen Fauna und Flora werden geborgen, präpariert und systematisch bearbeitet.

Bisher sind 7 Profil-Sektionen (Sektionen A; C bis H) entnommen und in Bearbeitung; dies entspricht einer bearbeiteten Profil-Länge von etwa 10 Metern.
Die Profilgrabungen finden derzeit im Besuchersteinbruch Mühlheim statt (z.B. Sektionen G und H) bzw. sind abgeschlossen (Profil-Sektion C und D).


Zu Abbildung #1: Profilskizze von Sektion C mit Bezeichnung der ausgeschiedenen Schichten, den jeweiligen Mächtigkeiten und den aufgefundenen Event-Horizonten.

Zu Abbildung #2: Ort der Grabung zu Profil-Sektion C im Besuchersteinbruch Mühlheim während der Arbeiten im April 2009: Der Abschnitt von der "Doppelbank" bis zur liegenden Kieselbank ("Dicke Emma") wurde freigelegt und systematisch auf einer Fläche von ca. 6 m2 Schicht für Schicht abgegraben.

Zu Abbildung #3: Anschliff von Schnitt C01-bas mit den Event-Horizonten e007 (oben) und e008 (unten). Hierbei handelt es sich um geringmächtige, jedoch lateral weit verfolgbare, turbiditische Einschaltungen von feinem Ton-Sediment mit erosiver Basis. Event-Horizonte werden als Leithorizonte zur Korrelation der einzelnen Sektionen untereinander herangezogen.

Zu Abbildung #4: Der etwa 1,3 Zentimeter mächtige Event-Horizont "Trennende Graue" (e009) zwischen den Schichten "Erste Rosa" und "Zweite Rosa" (Schnitt C22). Im polierten sowie im geätzten Anschliff ist die erosive Basis und eine gradierte Schichtung (fining upwards) der Komponenten (überwiegend Schwamm-Spicula) deutlich erkennbar.


Zur Literatur ...


(A. M. Heyng / 25.06.2009 / Artikel #105)
Vertreter "moderner" Tintenfische (Coleoidea Bather, 1888) aus der Moernsheim Formation (Oberer Jura) von Mühlheim (Oberbayern) 
Aus den Solnhofener Plattenkalken, dem Nusplinger Plattenkalk und ähnlichen Oberjura-Fundstellen (z.B. Painten) sind bisher mindestens 14 Arten vampyropoder Tintenfische beschrieben. Sie verteilen sich auf 12 Gattungen, namentlich Plesioteuthis, Trachyteuthis, Leptoteuthis, Muensterella sowie Palaeololigo, Celaenoteuthis, Donovaniteuthis, Boreopeltis, Doryanthes, Bavaripeltis, und Senefelderiteuthis. Aus Solnhofen ist hierbei im Vergleich mit dem ca. 500 000 Jahre älteren Nusplinger Plattenkalk eine reichere Coleoideen-Fauna bekannt; Funde der selben Arten von beiden Fundstellen zeigen jedoch keine morphologischen Unterschiede (siehe z.B. FUCHS, 2007).

Durch die bisherigen Aufsammlungen sind aus den Mörnsheimer Schichten vom Schaudiberg die Gattungen Plesioteuthis, Dorateuthis, Trachyteuthis und Palaeololigo ebenfalls sicher nachgewiesen. Ein einzelnes, schlecht erhaltenes Fragment belegt zudem das Vorkommen von Leptoteuthis. Hinzu treten Funde, die keiner von hier bekannten Gattung bzw. Art zugeordnet werden können (Heyng et al., in Bearbeitung).


Zu Abbildung #1-#3: Gladius mit Weichteil-Erhaltung der Art Dorateuthis tricarinata (MÜNSTER, 1846). Diese Spezies war bisher nur aus den Solnhofener Plattenkalken (Unt. Tithonian, Hybonotum Zone) der Lokalitäten Eichstätt und Schamhaupten bekannt. Vorliegendes Exemplar ist zum Einen der Erstnachweis dieser Art aus der Moernsheim Formation, zum Anderen besticht es durch seine außergewöhnliche Erhaltung: Unter UV-Licht sind erhaltene Kopfknorpel, Augen und der Kieferapparat zu erkennen.

Zu Abbildung #4: Gladius eines adulten Exemplars der Art Plesioteuthis prisca (RÜPPELL, 1829), einem Verwandten der Gattung Dorateuthis aus der Familie Plesioteuthididae NAEF, 1921. Die Art P. prisca ist die am weitesten verbreitete und häufigste Spezies sowohl in der Moernsheim Formation wie auch in den meisten Aufschlüssen der Solnhofener Plattenkalke in der Region.

Zu Abbildung #5, #6: Gladius eines juvenilen Exemplars der Gattung Trachyteuthis (v. MEYER, 1846), einem häufigen Vertreter der Coleoidea in der Moernsheim und Solnhofen Formation.


PDF- Download: Vertreter "moderner" Tintenfische (Poster Juni 2009)


  • Literatur

BANDEL, K. & LEICH, H. (1986): Jurassic Vampyromorpha (dibranchiate cephalopods). – Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Monatshefte, 1986: 275-303.

DIETL, G. & SCHWEIGERT, G. (2001): Im Reich der Meerengel. Der Nusplinger Plattenkalk und seine Fossilien. 143 pp., 156 figs.; München (Verlag Dr. Friedrich Pfeil).

DONOVAN, D. T. (1995): A specimen of Trachyteuthis (Coleoidea) with fins from the Upper Jurassic of Solnhofen (Bavaria). – Stuttg. Beitr. Naturk., B, 235: 1-8; Stuttgart.

ENGESER, T. (1986): Beschreibung einer wenig bekannten und einer neuen Coleoiden-Art (Vampyromorphoidea, Cephalopoda) aus dem Untertithonium von Solnhofenund Eichstätt (Bayern). – Archaeopteryx, 4: 27-35.

ENGESER, T. & KEUPP, H. (1997): Zwei neue Gattungen und eine neue Art von vampyromorphen Tintenfischen (Coleoida, Cephalopoda) aus dem Untertithonium vonEichstätt. – Archaeopteryx, 15: 47-58.

ENGESER, T. & KEUPP, H. (1999): Zwei neue vampyromorphe Tintenfische (Coleoidea, Cephalopoda) aus dem oberjurassischen Solnhofener Plattenkalk von Eichstätt. – Archaeopteryx, 17: 21-32.

FUCHS, D. (2007).Coleoid cephalopods from the plattenkalks of the Upper Jurassic of Southern Germany and from the Upper Cretaceous of Lebanon - A faunal comparison. – Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Abhandlungen.

KLUG, C., SCHWEIGERT, G., DIETL, G. & FUCHS, D. (2005): Coleoid beaks from the Nusplingen Lithographic Limestone (Late Kimmeridgian, SW Germany). – Lethaia,38: 1-20.

NAEF, A. (1922): Die fossilen Tintenfische.VI+322 S., 101 Abb.; Jena (Fischer). NIXON, M. (1987): The diets of cephalopods. In: Boyle, P.R. (ed.): Cephalopod life cycles, 2, 201-219. – New York (Academic Press).

WAGNER, A. (1860): Die fossilen Ueberreste von nackten Dintenfischen aus dem lithographischen Schiefer und dem Lias des süddeutschen Juragebirges. – Abh. k. bayer. Akad. Wiss., Math.-phys. Kl. Abh., 8: 750-821; München.


Mehr Literatur...


(A. M. Heyng / 25.06.2009 / Artikel #106)