Muensterella sp. aus den Mörnsheimer Schichten am Schaudiberg 
Gladius des vampyropoden Tintenfisches Muensterella sp. (Coleoidea, Cephalopoda) aus den Mörnsheimer Schichten am Schaudiberg (Steinbruch Krautworst Naturstein / 2008), Länge ca.7,5 Zentimeter (aufbewahrt in der Sammlung Mühlheim).





Die Gattung Muensterella SCHEVILL, 1950 ist bisher mit der Art M. scutellaris (MUENSTER, 1842) ausschließlich aus dem Oberen Jura Süddeutschlands (z.B. Eichstätt, Solnhofen, Painten und andere Fundstellen der Region) beschrieben und hier im Vergleich zu Plesioteuthis oder Trachyteuthis eher selten zu finden.

Exemplare von Muensterella sind meist seitlich eingebettet und durch das charakteristische, löffelförmige Hartteil (Gladius) eindeutig bestimmbar.
In feinkörnigen Plattenkalken - insbesondere von Eichstätt - sind zudem Funde mit Weichteilerhaltung die Regel. Sie geben uns Zeugnis über den ehemaligen Körperbau des Tieres (siehe auch NAEF 1922; FUCHS et al. 2003): Der eiförmig gedrungene Mantelsack trug einen seitlichen Flossensaum. Der Conus des Gladius ist auf den Rücken des Tieres verschoben. Der Kopf trug 8 kurze Arme, besetzt mit Saugnäpfen (in Einzelreihe bzw. distal in zickzack-Anordnung) und wahrscheinlich ein "arm web" an der Arm-Basis.
Meist ist auch die Tintenblase, phospatisierte Mantelmuskulatur und der Retraktor-Muskel des Trichterapparates erhalten. Da der Kopfbereich meist drusig-sparitisch calcifiziert ist, ist der Kieferapparat von M. scutellaris bisher nicht beschrieben.

In den Mörnsheimer Schichten am Schaudiberg sind Funde von Muensterella - ähnlich wie in Daiting - ebenfalls nicht alltäglich. Meist sind sie hier dorso-ventral (nicht seitlich) eingebettet und mehr oder weniger plastisch erhalten. Auch phosphatisierte Weichteile sind hier erhalten. Bedingt durch das gröbere Sediment sind klare Abdrücke z.B. der Fangarme oder des seitlichen Flossensaums bisher jedoch nicht gefunden worden.


  • Literatur

FUCHS, D., KEUPP, H. & ENGESER, Th. (2003). New records of soft parts of Muensterella scutellaris MUENSTER, 1842 (Coleoidea) from the late jurassic Plattenkalks of Eichstätt and their significance for octobrachian relationships. Berliner Paläobiol. Abh., 03: 101-111.

Naef, A. (1922). Die fossilen Tintenfische. Gustaf Fischer, Jena.

Mehr Literatur finden Sie unter Oberer Jura - Cephalopoda (Kopffüsser) oder unter Literatur ...


(A. M. Heyng / 27.02.2009 / Artikel #107)
Der Seeigel Pedina (?) sp. 
Ein Fund aus der Mörnsheim Formation aus dem Steinbruch Krautworst am Schaudiberg: Ein Seeigel mit erhaltenem Stachelkleid und Kieferapparat ("Laterne des Aristotelis"), wahrscheinlich zur Gattung Pedina gehörig. Beachtenswert ist neben des aussergewöhnlichen Erhaltung auch die Größe des Stückes: Der Durchmesser beträgt etwa 25 Zentimeter.


Abbildungen:

#1: Gesamtaunahme der verdrückten Corona und dem erhabenen Kieferapparat (Mitte, links-oben); Größe siehe Maßstab.

#2: Detailaufnahme aus Abbildung #1 (oberer Bereich, rechts) mit einzelnen, zueinander verschobenen "Asseln" der verdrückten Corona und den feinen, nadelförmigen Stachel (der Maßstab entspricht etwa 1 Zentimeter).

(Der Fund wird aufbewahrt in der Belegsammlung Mühlheim und ist der wissenschaftlichen Bearbeitung zugänglich)
Koprolithen der Mörnsheimer Schichten im Dünnschliff 
Koprolithen des "Typs" Lumbricaria sind aus den Solnhofener Plattenkalken wohlbekannt: Es handelt sich hierbei um Kotschnüre, die, ursprünglich beim Verlassen des Verdauungstraktes "aufgerollt", mehr oder weniger entrollt in das Sediment eingebettet wurden. Ihre Verursacher sind vermutlich Cephalopoden (Ammoniten oder Coleoidea), sicherlich jedoch Bewohner des freien Wassers, da diese Koprolithen zum überwiegenden Teil aus calcitischen Resten der freischwimmenden Seelilie Saccocoma bestehen.

Lumbricaria
ist auch häufig in den Mörnsheimer Schichten zu beobachten, angereichert in bestimmten Horizonten (z.B. Rosa Schichten). Daneben finden sich hier mehrere andere "Typen" von Koprolithen unterschiedlichster Formen und Größen. Oft sind in ihnen auch Reste der ehemaligen Nahrung erhalten (neben Saccocoma unter anderem auch Fischreste wie Wirbel, Schuppen etc.). Auch Hai-Koprolithen, erkennbar an der spiral aufgewundene Form, sind - wenn auch selten - von hier bekannt.

Auch Koprolithen haben ihre Bedeutung in der Paläontologie: Ist ihr jeweiliger Verursacher sicher ermittelt (z.B. durch in situ (also im Fossil des Verursachers) erhaltene Koprolithen), kann Nahrung und Ernährungsweise rekonstruiert werden. Auch über den jeweiligen Lebensraum können sich neue Erkenntnisse ergeben, z.B. über die Produktivität und das Ökosystem.


Abbildungen:

#1
: Koprolith mit homogener (phosphatischer?) Matrix im Dünnschliff; größte Breite etwa 14 Millimeter (Schliff MUE C18-b; Rosa Schichten).

#2: Koprolith mit homogener (phosphatischer?) Matrix im Dünnschliff; größte Breite etwa 14 Millimeter (Schliff MUE C27-b).

#3: Koprolith im Dünnschliff, überwiegend bestehend aus Saccocoma-Fragmenten; größte Breite etwa 12 Millimeter (Schliff MUE C18-b; Rosa Schichten).

#4: Detailaufnahme eines körnigen Koprolithen im Durchlicht; die Komponenten sind überwiegend Saccocoma-Fragmente; Vergrößerung ca. 80x (Schliff MUE C27-b; Rosa Schichten).


(A. M. Heyng / 28.02.2009 / Artikel #109)
Die "Schwammschicht" im Sammlerbruch Mühlheim (Event-Horizont e003) 
Im Sommer 2008 wurde beim Abschieben des Besuchersteinbruchs Mühlheim ein bisher unbekannter, 1 bis 3 Zentimeter mächtiger Horizont entdeckt. Dieser war auffallend reich an gut erhaltenen Kiselschwämmen und wurde daher als "Schwammschicht" bezeichnet (kartiert als Event-Horizont e003). Neben Schwämmen sind darin auch Bivalven, Brachiopoden, Seeigel-Stachel und diverse biogene Komponenten (z.B. Foraminiferen) sowie Fossilschutt enthalten. Als weitere Besonderheit sind auch komplette Coronen unbestimmter Seeigel in manchen Bereichen der Schicht angereichert.

Die erosive Basis sowie die gradierte Schichtung (abnehmende Partikel-Größe von unten nach oben) belegen die Ablagerung dieser Schicht als Schuttstrom: Der Ort der Sedimentation entsprach nicht dem Lebensraum der eingebetteten Organismen. Dieser befand sich an einem höher gelegenem Ort des Beckenrandes. Organismen und dort abgelagertes Sediment wurden gravitativ in Richtung des tieferen Beckenzentrums transportiert.


Abbildungen:

#1: Oberfläche der "Schwammschicht" aus den Mörnsheimer Schichten des Besuchersteinbruchs Mühlheim am Schaudiberg, mit Detailaufnahmen verkieselter Schwämme (Hexactinellidae, unbestimmt; schwarzer Balken entspricht jeweils ~1 Zentimeter).

#2: Anschliff der "Schwammschicht" (Horizont e003) mit Kieselschwämmen (unbestimmt) und diversen biogenen Komponenten; der Bildausschnitt oben entspricht etwa14 Zentimetern.


(A. M. Heyng / 28.02.2009 / Artikel #108)
Fund eines großen Trichterschwamms in der "Schwammschicht 1" (Event-Horizont e003) 
Ein Fund im Juli 2009 aus dem Sammlerbruch Mühlheim am Schaudiberg: Ein großer, verkieselter Trichterschwamm (noch unbestimmt) mit einem Durchmesser von 27 Zentimetern. Der Fund wurde zusammengesetzt, geklebt und wird nun mit Säure weiter herausgeätzt; ein Bild des fertig präparierten Stückes folgt in Kürze.